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Die Münchener Gastronomie in Corona-Zeiten

Die Münchener Gastronomie in Corona-Zeiten

An gastronomischen Highlights mangelt es uns in München nicht, zumindest bisher. Viele Restaurants werden nach dem Lockdown nicht mehr aufschließen. Neben den prominenten Lokalitäten kennt sicher jeder ein Restaurant in seiner Nähe, das vor dem Aus steht. Corona ändert gerade alles. Dies gilt auch für Gut Essen in München. Wir satteln daher erstmal auf Rezepte um. Hilft ja nix, im Bereich Food muss sich gerade jeder irgendwie neu erfinden.

Lang war es ruhig hier auf Gut Essen in München. Die Gründe sind vielfältig. In meiner Foodblogbilanz 2019 hatte ich mir für heuer wieder eine Regelmäßigkeit vorgenommen. Es ließ sich eigentlich auch gut an, bis Corona kam. Da war es dann schlagartig vorbei mit der Schreiberei und nun sind die Lokalitäten erneut seit Wochen geschlossen, ohne Aussicht auf Besserung.

Für die Münchener Gastronomie und Barszene herrscht geschäftlich eine düstere Zeit. Drei Monate komplett geschlossen, eine Wiedereröffnung nur unter Erfüllung diverser Auflagen und nun eine erneute Schließung. Für November und Dezember dürfen die Betreiber auf Unterstützung hoffen und dadurch könnten sich beide jeweils als gute Monate erweisen. Bis zu 75 Prozent vom Letztjahresumsatz 2019 dürfte mehr sein, als jeder Monatsumsatz in Corona-Zeiten. Allerdings mahlen die bürokratischen Mühlen langsam. Wie wir hören, konnten die ersten Anträge erst gegen Ende November gestellt werden. Bis wann die ersten Gelder eintreffen, ist vollkommen offen.

Wir werden viele Gaststätten verlieren

Man muss es offen sagen, der Gastronomie steht das Wasser bis zum Hals. Eine Perspektive ist nicht vorhanden. Anfang November gab es noch eine kleine Hoffnung, dass es im Dezember weitergehen könnte. Ich gehe nicht davon aus, dass wir dieses Jahr nochmal auswärts essen dürfen. Mit einem Blick auf die Infektionszahlen ist dies wohl auch vernünftig. Den Gastronomen fehlt ohne Weihnachtsfeiern aber das umsatzstarke Dezembergeschäft. Ein Verlust, der wirtschaftlich nicht zu kompensieren ist. Zumal es wohl realistisch ist, dass nach den Weihnachtsferien die Infektionszahlen eher wieder nach oben gehen werden.

Von einer Normalität sind wir weit entfernt. Vermutlich stehen wir bis mindestens Sommer noch an derselben Stelle, wenn nicht sogar noch in einem Jahr. Wir werden uns von vielen der einst über 5.000 Münchener Gaststätten verabschieden müssen. Einer Umfrage des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA zufolge, sehen sich 72 Prozent der gastgewerblichen Betriebe in Bayern in ihrer Existenz gefährdet.

München verliert prominente Gaststätten

Prominente Beispiele sind der Donisl am Marienplatz, das Hotel Anna am Stachus, das Paulaner im Tal und der Gesellschaftsraum in der Altstadt. Mit dem Lockdown schließt nach 35 Jahren auch das Restaurant Zum Alten Markt am Viktualienmarkt, ein Jahr früher als ursprünglich geplant.

Abschied nehmen müssen wir auch vom legendären Roy am Sendlinger Tor. Mit der Schlagerbar verliert München eines seiner letzten Unikate. Ich war nicht oft im Roy, halte es aber für einen unersetzlichen Verlust. Die Roy Bar hat natürlich polarisiert. Einer meiner Spezl meinte, »hier gehe ich nur zweimal her, das erste und das letzte Mal«. Das Ende der Szene-Legende begründet sich einerseits auf der unsicheren Zukunft, Bars und Nachtlokale trifft Corona doppelt hart. Allerdings steht für 2022 eine Grundsanierung des gesamten Gebäudes an. Wie wir hören, hätte dies sowieso das Aus für das Lokal bedeutet.

Aus für die lengendäre Bar Roy

So kennen wir die Bar Roy, ausgefallen und extravagent (Bild: Peter Hager).

Neben den prominenten Beispielen, traf es beispielsweise auch die Olive in meiner Nachbarschaft. Dass die Familie Heide das Bräurosl abgegeben hat, spricht ebenfalls Bände. Ich glaube nicht, dass wir nächstes Jahr eine Wiesn haben werden und auf 2022 würde ich auch noch keine Wette abgeben.

Lieferservice bestenfalls ein kleines Zubrot

Bis zum nächsten Frühjahr werden wir uns von einem Teil-Lockdown bis zum nächsten hangeln. Viele Gastronomen stehen bereits jetzt mit dem Rücken zur Wand. Ein Lieferservice oder Speisen zum Mitnehmen sind oft bestenfalls Beschäftigungstherapie. In den meisten Gaststätten gehen sich die Geschäfte gerade so um, verdient wurde und wird mit Getränken. Pizzerien, asiatische und auch griechische Lokale sind von jeher auf das Mitnahmegeschäft eingerichtet, allerdings ist es auch nur ein Zubrot.

Einige bayerische Gaststätten bieten nun auch alle Gerichte zum Abholen an. Aber seien wir ehrlich, ein Schweinsbraten oder Schnitzel, hat nur eine geringe Halbwertszeit, bis er nicht mehr ganz frisch ist. Liegt das Fleisch zu lange in der Soße wird es labbrig, ohne Soße trocken. Gleiches gilt für Nudelgerichte. Eine Dauerlösung wird das nicht.

Zumal es einigen günstiger kommt, unter den bestehenden Auflagen erst gar nicht zu öffnen. Mit halber Kraft fällt der Verlust höher aus. Ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, wie diese Gaststätten auf Dauer überleben sollen. Man hört von einigen Vermietern, die die Miete stunden oder ganz aussetzen. So viel Glück haben längst nicht alle.

Natürlich kann man von einem Vermieter nicht generell erwarten, dass er auf seine Einnahmen verzichtet. Letztendlich werden sich die meisten fragen müssen, welches ist die kleinere Kröte, ein Mieter der nicht mehr bezahlt oder einer, der Pleite geht und ein dauerhafter Leerstand?

Corona und das Blog

So gesehen ist, ob ich hier mehr oder weniger schreibe, kein wirkliches Problem. Geplant hatte ich einiges: Im März standen zwei Wochen Thailand an, da wollte ich ein Special zu Restaurants und Garküchen in Khao Lak schreiben. Unser Abflug wäre zwei Tage vor dem ersten Lockdown gewesen, zum Glück sind wir daheim geblieben, sonst würden wir eventuell heute noch auf unseren Rückflug warten. 😉

Prost aus dem Palais Keller

Prost aus dem Palais Keller

Zudem waren einige Restaurantbesprechungen nicht nur geplant, sondern auch schon fast fertig. Ende 2019 hatte beispielsweise der Palais Keller im Bayerischen Hof neu eröffnet. Nach der Presseveranstaltung hatte ich dem Kellerlokal noch zwei weitere Besuche abgestattet. Der Text war nahezu fertig, nur hatte ich das bearbeiten der Bilder etwas vor mir hergeschoben. Gleiches gilt für das Ali Bey, ein ganz wunderbares Türkisches Restaurant und der Olive, einem (nun ehemaligen) Italiener hier bei mir um die Ecke.

Mit Corona verloren meine Berichte auf einen Schlag an Gültigkeit. Einfach zu schreiben, vorher war so und so und unter Corona-Bedingungen esst Ihr bestimmt genauso gut wie vorher, halte ich für Quatsch. Es hängt ja doch mehr dran, als Maske zu tragen.

Keine neuen Restaurantbesprechungen in Corona-Zeiten

Prost aus dem Conti

Prost aus dem Conti

Nachdem endlich wieder offen war, gehörten Frau Fröhlich und ich auch zu den ersten, die wieder auswertig speisten. Wir haben ein paar Lokalitäten ausprobiert und ich muss ehrlich sagen, mir hat nicht alles gefallen, was ich gesehen habe. Zudem sind wir selten so lange geblieben, dass ich daraus einen anständigen Bericht hätte schreiben wollen. Letztendlich hat es sich so ergeben, dass wir nur noch ins Conti gegangen sind. Das hatte ich aber nun wirklich schon ausführlich besprochen.

Bei unserem Erstbesuch Ende Juni hatten wir die Terrasse für uns alleine. Das war zwar cool, aber uns auch unangenehm. Über die Zeit schwanden bei vielen die Bedenken. Am Samstag vor dem zweiten Lockdown, war das Conti fast ausverkauft. Viele wollten einfach schnell nochmal raus, bevor wieder alles dicht gemacht wurde.

Kontakte reduzieren und dahoam bleim

Ich finde es natürlich gut, dass die Gastronomie wieder Umsatz machen konnte. Gleichzeitig tue ich mir schwer damit, Euch zu empfehlen, irgendwo hinzugehen. Die Pandemie lässt sich nur in den Griff kriegen, wenn wir möglichst wenige Kontakte haben und vor allem zuhause bleiben. Ich will an dieser Stelle auch gar keine Diskussion vom Zaun brechen, das muss jeder für sich entscheiden. Wobei Euch das Kommentarfeld offen steht. Nur zu…

Es geht halt nicht um die Bedürfnisse eines einzelnen, sondern ums Gemeinwohl. Daher planen wir zum Beispiel keinen Urlaub, machen keine Ausflüge und treffen uns nur mit ausgewählten Leuten, wenn überhaupt. Seit Februar war ich auch auf keiner Presseveranstaltung mehr. Nicht, dass es viele gegeben hätte, aber speziell im Gastrobereich fing das gerade wieder an. Im Moment hat es sich eh erledigt, trotzdem bin ich hier auch eher fürs dahoam bleim.

Verhältnismäßigkeit: Hat die Gastro eine Zukunft

Womit wir wieder an dem Punkt sind, wie geht’s weiter? Die Zukunft bleibt ungewiss. Es wäre wünschenswert, wenn nicht alle Cafes und Restaurants in einen Topf geworfen würden. Doch ist eine Differenzierung überhaupt möglich? Wir haben selbst in guten Lokalen erlebt, dass das Service-Personal die Maske unter der Nase trug, eigentlich zu viele Leute im Raum waren und auf den Toiletten das Hygienekonzept dann doch nur bedingt greift. Fragen nach der Verhältnismäßigkeit werden aufgeworfen, normale Speiselokale seien doch zum Beispiel nicht mit einer Kneipe gleichzustellen. Auch hätten viele Gastronomen Maßnahmen ergriffen und investiert. Berechtigte Argumente.

Leider muss die Politik die Menschen zwingen zuhause zu bleiben. Zu viele sind zu unvernünftig. Sobald genug Alkohol im Spiel ist, war es das meist mit dem Abstand halten. Am Wochenende vor dem Lockdown Light erfasst die Münchener Polizei in der Fußgängerzone 600 Corona-Verstöße. In einem Lokal in Obergiesing wurde eine Geburtstagsfeier mit über 100 Personen aufgelöst (siehe Bericht in der tz). Sorry, aber dafür fehlt mir jegliches Verständnis. Am Glühweinstand vor dem Vier Jahreszeiten bilden sich schnell Grüppchen. Zugegeben, wir haben auch kurz überlegt, sind dann aber doch schnell weiter.

Nun mag sich die überwiegende Mehrheit von uns vernünftig verhalten, trotzdem sind die Infektionszahlen zu hoch. Daher sind Maßnahmen unumgänglich.

Gut essen dahoam

Gut essen dahoam

Gut essen dahoam

Wie gesagt, bisher habe ich mich bewusst zurückgehalten, über Restaurants und Lokalitäten in Corona-Zeiten zu schreiben. Nachdem sich nun aber irgendwie alle neu erfinden müssen, gilt das auch für Gut Essen in München. Zumal wir wohl noch sehr lange Geduld aufbringen dürfen, bis sich wieder so etwas wie Normalität einstellt. Rezepte standen bisher nicht im Fokus, eben weil die Restaurants im Vordergrund stehen sollten. Bis auf weiteres rücke ich aber von diesem Vorsatz ab. Hilft ja nix… 😉

Ihr dürft Euch also auf diverse Schmankerl freuen. Ich habe mir da auch etwas überlegt. Neben den üblichen Rezepten möchte ich mehrere Rezeptvorschläge aufbereiten und wenn möglich mit Tipps und Tricks aus der Gastronomie. Da hoffe ich natürlich auf regen Zulauf.

Von den Gerichten her, soll es eine schöne Mischung werden. Durchaus auch passend zur Jahreszeit. Aber Ihr wisst, ich bin eher die Fraktion, gut und gehaltvoll. Nach neun Monaten würde mit allerdings eine etwas kalorienreduzierte Kost nicht schaden. Ihr wisst was ich meine. 😉

Schreibt mir gerne Eure Vorschläge und Wünsche. Und wie gesagt, gerne auch Eure Meinung zum Lockdown der Gastronomie.

Kategorie: Beilagen, Essen

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Ich schreibe seit 1994 als freier IT-Redakteur. Berufsbedingt bin oft in diversen Lokalitäten unterwegs. Aber auch privat gehe ich gerne gut Essen. Auf meinem Blog Gut Essen in München stelle ich vor allem Restaurants vor, die es auch Wert sind. Ansonsten schreibe ich auf speicherguide.de über alles, was mit Storage zu tun hat.

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